Kooperation

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Definition: die Zusammenarbeit von Menschen oder Gruppen

Englisch: cooperation

Wie man zitiert; zusätzliche Literatur vorschlagen

Ursprüngliche Erstellung: 25.03.2016; letzte Änderung: 23.10.2016

Kooperation bedeutet, dass Menschen ihr Verhalten z. B. bei der Lösung von Problemen so aufeinander abstimmen, dass sie gemeinsam Dinge erreichen können, die sie einzelnen nicht tun könnten. Kooperation geschieht zwischen einzelnen Menschen, aber auch zwischen ganzen Gruppen oder sogar Staaten.

Die enormen Fähigkeiten, die die Menschheit im Laufe der letzten Jahrtausende erworben hat, basieren entscheidend auf einer gewaltigen Ausbreitung der Kooperation auf immer höhere Ebenen. Sie gehen extrem weit über die Fähigkeiten menschlicher Individuen hinaus.

Die Geschichte der Menschheit zeigt eine gewaltige Ausbreitung der Anwendung von Kooperation. Zunächst war diese nur auf Kleingruppen beschränkt, innerhalb derer man sich gegenseitig half, während man sich gleichzeitig vereint gegen Gefahren der Außenwelt verteidigte. Das Entstehen von Landwirtschaft und Handel, dann eine immer weitere Spezialisierung von Berufen, die Bildung schlagkräftiger militärischer Verbände, schließlich auch von Staaten und sogar noch größeren Strukturen erforderten einen immer höheren Grad an Kooperation. Allein hierdurch hat die Menschheit viele Dinge erreicht, die einige Generationen vorher als garantiert unmöglich hätten gelten müssen. Für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen (Flüchtlingskrisen, Atomwaffen, Klimagefahren etc.) wird Kooperation ebenfalls entscheidend sein; mehr dazu weiter unten.

Kooperation setzt Fähigkeiten voraus

Eine fruchtbare Zusammenarbeit erfolgreich zu etablieren, ist aber oft durchaus nicht einfach. Dies kann eine Vielzahl von Fähigkeiten erfordern:

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert eine Vielzahl von Fähigkeiten. Das will gelernt sein.

Oft muss zunächst investiert werden, bevor die Früchte der Zusammenarbeit geerntet werden können.

Ohne ein gewisses gegenseitiges Verständnis wird man kaum erfolgreich kooperieren können.

Die rapide Entwicklung der Menschheit geht damit einher, dass man mehr und mehr gelernt hat, nützliche Kooperationen aufzubauen und zu stabilisieren. Die entsprechende kulturelle Entwicklung verläuft im Vergleich zur biologischen Entwicklung rasend schnell: Schon innerhalb einer einzigen Generation kann man enorm viel lernen (vor allem durch Kooperation!) und so in verschiedenen Gebieten weiter kommen.

Erfolgreiche Menschen sind meist besonders zur Kooperation befähigt.

Besonders erfolgreiche Menschen haben in der Regel auch die Fähigkeit zur Kooperation in besonders hohem Maße erlernt, weil gerade in der modernen Welt Erfolg kaum anders zu erzielen ist. Es wäre eine große Dummheit zu glauben, Kooperation sei etwas für naive Gutmenschen.

Kooperationsbereitschaft als menschlicher Charakterzug

Die Fähigkeit zu einer umfassenden Kooperation (Zusammenarbeit) gehört grundsätzlich zu den hervorstechendsten Merkmalen der Menschheit. Wäre es nicht so, müssten wir immer noch in Höhlen wohnen.

Die Neigung und Fähigkeit einzelner Menschen, auf Kooperation zu setzen und davon zu profitieren, ist allerdings recht unterschiedlich ausgeprägt; sie scheint zu den grundlegenden Charaktereigenschaften zu gehören:

Es sei betont, dass der Grad der Bereitschaft zur Kooperation nicht einfach durch gemachte Erfahrungen bestimmt ist, sondern zu den grundlegenden Überzeugungen gehört, die zwar durch Erfahrungen beeinflusst werden, aber umgekehrt auch die Wahrnehmung der Welt mitbestimmen. In diesen Sinne kann man von einem Glauben sprechen, für oder gegen den man sich ein Stück weit einfach entsprechend seinen Neigungen entscheidet.

Skeptiker können durchaus eine fruchtbare Rolle bei der Entwicklung von Kooperationen spielen – wenn sie daran hinreichend interessiert sind.

Übrigens sollten Skepsis und Vorsicht natürlich keineswegs nur als lästige Hindernisse auf dem Weg zu mehr Kooperation gesehen werden. Schließlich kann es ja sehr hilfreich sein, mögliche Probleme möglichst früh zu erkennen und sich dadurch geschickter auf sie einzustellen oder sie gleich zu umgehen. Im Idealfall arbeiten Optimisten und Skeptiker fruchtbar zusammen. Fundamentalistische Vertreter von Abgrenzung statt Kooperation sind hierfür freilich kaum zu gebrauchen.

Wege zu mehr Kooperation

Gerade wo es schwierige Herausforderungen zu meistern oder große Gefahren abzuwenden gibt, bietet eine Ausweitung der Kooperation oft die einzige Chance. (Einige Beispiele auf internationaler Ebene werden unten genannt.) Jedoch ist es oft schwierig, sie zu etablieren:

Kooperation ist oft nicht einfach. Wer sie trotzdem erfolgreich betreiben will, muss die Schwierigkeiten verstehen und auf intelligente Weise überwinden.

Um solche Schwierigkeiten zu überwinden, muss man sie zunächst einmal so gut wie möglich verstehen. Dazu hilft vor allem einmal das gründliche Nachdenken, aber auch der geistige Austausch mit anderen Menschen, der das beiderseitige Wissen erweitert und auch neue Ideen geben kann.

Auch Teile der Wissenschaft beschäftigen sich mit dieser Problematik. Beispielsweise wurde die Spieltheorie entwickelt, um die Voraussetzungen für Kooperation auf einer abstrakten Ebene möglichst genau zu klären, oder allgemeiner das Entscheidungsverhalten von Menschen z. B. in Konfliktsituationen besser zu verstehen. Hierbei entstehen durchaus auch sehr überraschende Einsichten. Erkenntnisse der Spieltheorie können beispielsweise für die Diplomatie und für die Ökonomie nützlich sein. Gewarnt sei allerdings vor fragwürdigen Interpretationen auf der Basis eines unzureichenden Verständnisses der Spieltheorie und ihrer Grenzen.

Religiöse Denkgebäude enthalten viele Elemente, die die Kooperation stärken sollen.

Religionen versuchen von jeher, die Kooperation zumindest innerhalb ihrer Anhängerschaft auf verschiedene Weisen zu stärken. Beispielsweise können Sie Vorstellungen (Visionen) von einer Welt ausarbeiten und schmackhaft machen, in der die Menschen viel besser miteinander kooperieren und entsprechend besser leben. Teils wird auch versucht, die Motivation zur Kooperation durch Glaubensvorstellungen zu stärken, bei denen beispielsweise ein strafender oder belohnender Gott durch sein Eingreifen das Eigeninteresse von Menschen so beeinflusst, dass es mit den Anforderungen der Kooperation besser in Einklang zu bringen ist.

Leider sind Religionen aber auch bestens dazu geeignet, tiefe Gräben zwischen verschiedenen Gruppen zu errichten, die eine Kooperation massiv erschweren. Wir sehen beispielsweise im Nahen Osten, dass der starke Einfluss von Religionen das Erreichen eines Friedens sehr schwierig machen kann, auch wenn sich einzelne Vertreter von Religionen durchaus sehr hilfreich einsetzen.

Internationale Kooperation ist unverzichtbar

Unabhängig von persönlichen Einstellungen sollte klar sein, dass die Menschheit in zunehmendem Maße auf eine umfassende Kooperation angewiesen ist, weil sich wichtige Probleme anders unmöglich lösen lassen. Einige Beispiele hierfür:

Atomkriege verhindert man nicht, in dem man eine Mauer um sein Land zieht. Durch rücksichtslose Machtausübung auch nicht.

Die Abwendung einer Klimakatastrophe setzt eine umfassende globale Zusammenarbeit voraus.

Ohne umfassende Zusammenarbeit werden wir zukünftige Flüchtlingskrisen kaum beherrschen können.

Wie sollten die europäischen Nationalstaaten plötzlich all das leisten können, was mit der EU erreicht wurde?

Internationale Kooperation mag oft schwierig sein, aber wer sie nicht versucht, hat schon verloren! Die anstehenden Probleme können niemals allein auf nationaler Ebene gelöst werden.

Diese Beispiele zeigen unseres Erachtens allerdeutlichst, dass eine verstärkte internationale Kooperation das Einzige ist, welches uns eine Chance zur Bewältigung diverser sehr gefährlichen Entwicklungen bietet. Es erschiene uns als eine riesige Dummheit, diese Chance wegen der dabei zu überwindenden Schwierigkeiten aufzugeben – schließlich haben wir eine andere nicht.

Bewältigung der aktuellen Flüchtlingskrise

Auch für die Bewältigung der seit 2015 verstärkt auftretenden europäischen Flüchtlingskrise wird es unbedingt notwendig sein, in Europa und darüber hinaus vermehrt zusammenzuarbeiten. Hierbei muss an einer Reihe ganz unterschiedliche Aspekte gearbeitet werden:

Diplomatische Bemühungen sind entscheidend für die Beendigung von Konflikten, die für die Entwicklung der Flüchtlingskrise relevant sind. Leider ziehen bei weitem nicht alle an diesem Strang. Vielen fällt es schwer, beispielsweise die unbedingte Notwendigkeit eines ernsthaften Dialogs mit Russland zur Auflösung der Krisen in Syrien und der Ukrainer einzusehen.

Rund 500 Millionen Europäer könnten ziemlich problemlos wenige Millionen Flüchtlinge aufnehmen, wenn sie vernünftig zusammenarbeiten würden. Es fehlt aber vielerorts noch die Einsicht, dass der Versuch, alle Lasten auf andere abzuwälzen, nicht nur moralisch abzulehnen ist, sondern auf Dauer auch gar nicht funktionieren kann.

Der Zusammenhalt unserer Gesellschaft gehört zu unseren essenziellen Lebensgrundlagen, wird aber durch solche Kräfte gefährdet, die für eine rücksichtslose Durchsetzung eigener Interessen eintreten.

In dieser Situation sollte es an sich offensichtlich sein, dass jede Strategie der Abgrenzung und rücksichtslosen Verteidigung eigener Interessen zum Scheitern verurteilt ist – sie bietet keine Chance, die Herausforderungen zu meistern, und im Übrigen verschwinden die Herausforderungen auch nicht, wenn man den Kopf in den Sand steckt, um sie nicht mehr zu sehen.

Siehe auch: Gutmenschen, Rassismus, Terrorismus